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Lost places auf Rügen: Das Schloss Dwasieden

OAR auf den Spuren des einst wertvollsten Gebäudes der Insel Rügen

Wer mit wachen Augen über die Insel Rügen streift, bemerkt sie immer wieder: aufwändig sanierte Guts- und Herrenhäuser und stolze Schlösser. Ranzow, Spyker, Ralswiek und das Jagdschloss Granitz zum Beispiel.

Leider verloren gegangen sind jedoch zwei der prächtigsten Bauwerke – das fürstliche Schloss zu Putbus und das „weiße Schloss am Meer“, das Schloss Dwasieden. Letzterem widmen wir diesen Beitrag.

Dwasieden

Der Sassnitzer Ortsteil Dwasieden liegt etwas versteckt im Südwesten der traditionsreichen Hafenstadt, die den Touristen für gewöhnlich vor allem wegen ihres maritimen Flairs und als Eingangstor zum Nationalpark Jasmund mit seiner berühmten Kreideküste anzieht. Hier, auf einer Anhöhe oberhalb der Ostsee, hat es einst einen der schönsten Parks in ganz Norddeutschland und mit der Schlossanlage Dwasieden das wertvollste Gebäude der Insel Rügen gegeben.

Übrig geblieben ist von all der Pracht heute außer einem riesigen Ruinenkomplex mitten im Wald nichts. Schuld daran ist neben der Sprengung des Schlosses im Jahre 1948 auch die jahrzehntelange militärische Nutzung des Gebietes, angefangen 1934 mit der NS-Kriegsmarine über die Widmung als Flüchtlings- und Quarantänelager unmittelbar nach dem Krieg bis hin zur Volksmarine der DDR.

Wie es zukünftig in Dwasieden weitergeht, steht noch weitgehend in den Sternen. Pläne, hier ein großes Kurgebiet zu installieren, verliefen bisher im Sand.

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Das Schloss Dwasieden

… wurde von 1873 bis 1877 im Auftrag von Adolph von Hansemann, einem der reichsten Männer der Bismarckzeit und Inhaber der Berliner Disconto-Gesellschaft, einem „Vorreiter“ der Deutschen Bank, erbaut. Architekt war Friedrich Hitzig, ein Schüler von Friedrich Schinkel.

Wikipedia weiß zu berichten, dass der Bau des Schlosses und die Gestaltung des 102 Hektar großen Parks vier Millionen Goldmark kosteten, damals eine enorme Summe. Das Schloss war das einzige Gebäude in Norddeutschland, das aus massivem Sandstein, Granit und echtem Marmor erbaut war.

Schloss Dwasieden AS Ansicht.jpg | Bildquelle: Friedrich Hitzig (1811-1881), Public domain, via Wikimedia Commons
Sassnitz Dwasieden Castle Manor House Rügen Island.jpg | Quelle: Beauwell, CC0, via Wikimedia Commons

Aber nicht nur die für den Bau verwendeten Materialien machten das Schloss Dwasieden zu einem Prunkbau, sondern auch dessen wertvolle Innenausstattung:

„Die Zimmer, welche Fremde besehen dürfen, liegen im Parterre des Schlosses. Alle diese zahlreichen Salons und Boudoirs, diese Musik- und Bibliothekzimmer, wie auch die Gesellschaftssäle sind mit ebenso feinem Geschmack wie großem Luxus ausgestattet. Die Möbel sind zum größten Teil Gobelin und rühren noch von dem Vater des Herrn von Hansemann her. An den Wänden hängen prachtvolle Original-Ölgemälde – meistens Landschafts-, Genre- und Tierstücke unserer ersten Meister und auch die Plafonds sind mit Zeichnungen und Malereien namhafter Künstler geschmückt. Die alten venetianischen Spiegel und Kronleuchter …, die wertvollen Ebenholzschnitzereien, die antiken Kamine aus weißem Marmor, die kostbaren Teppiche der Schmiedeberger Industrie, und all die zahlreichen Kunstgegenstände, die in Folge ihrer Seltenheit und ihrer Schönheit schon an und für sich ein großes Vermögen repräsentieren – all dies machte auf mich einen überwältigenden Eindruck.“

Adolph Kohut: Am Dünenstrand der Ostsee, 1887
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Der OAR-Buchtipp: „Das weiße Schloss am Meer“

Unter diesem Titel hat der Rüganer Buchautor Ralf Lindemann 2003 die Ergebnisse seiner jahrelangen akribischen Recherche zur Geschichte und historischen Bedeutung des Schlosses Dwasieden veröffentlicht. Erschienen ist das Buch zuerst im Reprint Verlag Rügen, die spätere Auflage dann im Verlag Tennemann Media.

In dem Werk erfahren Sie mehr über das Schloss Dwasieden; von der Bauphase an bis hin zur Sprengung mit zahlreichen und hochwertig bearbeiteten Fotografien.

Als ausgewiesener Experte erweist sich Ralf Lindemann auch bei seinen regelmäßigen Führungen zur Schlossanlage, auf denen die Teilnehmer hautnah in diesen der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannten Teil der Sassnitzer Ortsgeschichte eintauchen können.

Alle Termine für die historischen Exkursionen sowie viele weitere Informationen und Bilder zum Schloss Dwasieden gibt es unter www.schloss-dwasieden.de.

Sie sehen, liebe Leser und Freunde der Insel Rügen, es gibt hier auf Deutschlands größter und schönster Insel jede Menge Interessantes zu entdecken. Vielleicht gefällt Ihnen ja auch unser Bericht über einen weiteren „Lost place“ – die Kultur- und Wegekirche Landow.

Wir von Ostseeappartements Rügen freuen uns, Sie bald (wieder) bei uns begrüßen zu dürfen.

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2 Kommentare
  1. ChrisS sagte:
    19. Januar 2021 um 13:13

    Oh wow!!! Tolle Bilder!
    Das Schloss sieht ja aus, wie ein verwunschener Ort aus einer anderen Zeit … oder aus einem Hollywood Fantasy-Film!
    Als ob es 2 parallel existierende Versionen gäbe … eine, verwunschen und verzaubert, wie auf den Bildern zu sehen ist und eine andere, in der alles noch in Schuss und voller Menschen ist.
    Emsiges Treiben überall, Handel auf dem Markt und der Geruch von bäckerischer Handwerkskunst liegen in der Luft …
    Eine schöne Fantasie, die Sie da in mir ausgelöst haben. Vielen Dank dafür 🙏🏻👌🏻😊

    • Mathias Probst sagte:
      20. Januar 2021 um 08:27

      Dankeschön, das freut uns sehr!

Kommentare sind deaktiviert.

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