(Quelle: www.ostseebad-binz.de/)

Der Strandkorb

Alle Rügenurlauber kennen ihn sicherlich nur zu gut: den Strandkorb. Wer kam auf diese tolle Idee, wann wurde der erste Strandkorb gebaut und wo kauft oder mietet man am besten einen Strandkorb, wenn Sie beispielsweise in einer Ferienwohnung auf Rügen gastieren? Diese Fragen möchten wir Ihnen heute beantworten.

Geschichte

Die ersten deutschen Seebäder entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts, an der Ostsee 1793 mit der Gründung von Heiligendamm und an der Nordsee 1797 mit der Eröffnung einer Seebadeanstalt auf Norderney. Die Entfaltung der Seebäder brachte eine Badekultur mit sich, die medizinische Hintergründe hatte und bestimmten Regelungen zur Einhaltung der Sittlichkeit unterworfen war. Diesen Entwicklungen Rechnung tragend, übernahm man aus englischen Seebädern die Ideen von Strand-Einrichtungen wie Badehütten aus Holz, Stroh oder Lehmfachwerk – regional auch Luftschnapper genannt – und insbesondere Badekarren. Mit dem gesellschaftlichen Wandel ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam den Küstenorten vermehrt eine touristische Bedeutung zu, Aufenthalte und Promenaden am Strand entwickelten ihre eigene Kultur. Neben den Strandhütten verwendete man als Schutz gegen Sonne und Wind auch Strandzelte, sowohl in Größen, in denen ganze Familien Platz fanden, als auch verkleinerte Versionen, kastenartig oder rund, für zwei bis drei Personen. Sitzgelegenheiten boten einfache Bänke oder Strandstühle.

Strandstuhl um 1871 (Foto: wikipedia.de)

Ungeklärt ist, wann und wo die ersten überdeckten Stühle als Strandinventar genutzt wurden. Der Eintrag in einem 1871 veröffentlichten Musterbuch des Korbmachers Ernst Karl Nikolaus Freese gilt als das früheste schriftliche Dokument über einen Strandkorb. Dort ist neben einer Beispielzeichnung ein „Strandstuhl mit Überdachung aus Weiden und Peddigrohr, mit Ölfarbe lackiert“ beschrieben: „Das Dach ist mit starker Leinwand überzogen und mit Öl getränkt, damit es gegen Wind und Regen genügend Schutz bietet. Die senkrechte Höhe des Daches ist 180, Breite 65 und Tiefe oberhalb der Rückenlehne 62.“

In einem Protokoll der Königlichen Finanz-Direktion zu Hannover findet sich unter dem Datum 25. September 1873 ein Eintrag, nach dem für die Unterhaltung von Strand- und Badeinventar auf Norderney 800 Reichstaler benötigt werden: aufgezählt sind neben den Badekutschen und Laufdielen auch Strandkörbe. Ebenfalls um die Rechnungslegung geht es bei einem Schriftstück aus dem niederländischen Staatsarchiv aus dem Jahr 1875, das eine Bestellung von 36 Ein- und 36 Zweisitzern bei Handwerkern auf Norderney dokumentiert. Bekannt ist zudem die Empfehlung eines Berliner Badearztes von 1878, der Kurgästen die Nutzung von Sitzkörben rät, „wie sie auf Norderney und in Scheveningen stehen.“

Das Erscheinungsbild der Kiepen am Meer fand einen Nachhall in Darstellungen und Reiseberichten, so beschreibt ein unbekannter Autor, nach einem Seeaufenthalt auf Norderney, in einer Ausgabe der Zeitschrift Gartenlaube von 1881 die Vergnügungsmöglichkeiten der Kurgäste:
„Da promeniert Männlein und Fräulein in bunter Mannigfaltigkeit der Toilette oder sitzt in den wunderlich geflochtenen Strandkörben vor Wind und Sonne geschützt.“ ( Norderney. Eine Studie von der deutschen Nordseeküste, 1881). Illustriert ist dieses Essay mit einer Graphik des Malers Franz Schreyer, die einige der benannten Korbsessel vor den Dünen von Norderney zeigt, unterhalb der Villen Knyphausen und Fresena. Das gleiche Motiv verwendete Arthur Langhammer für einen Holzstich, der in Edmund Hoefers Buch Küstenfahrten an Nord- und Ostsee ebenfalls 1881 veröffentlicht wurde. Auch mit einer 1878 datierten Darstellung vom Strand vor Scheveningen in Südholland und einer vor 1880 entstandenen Fotografie des Herrenstrands von Sylt ist die Nutzung dieser Sitzmöbel an der Nordsee dokumentiert.

Als ein weiteres frühes Zeugnis über die Verwendung gilt ein Brief Theodor Fontanes an seine Frau Emilie während eines Badeaufenthalts auf Norderney:
„Vom Kurhause ging ich an den Strand und dämmerte so von Bank zu Bank. Als ich an der Hauptstelle war, wo viele hunderte von Korbhütten stehen, in denen man die Seeluft genießt, fühlte ich mich von hinten her gepackt, und der kleine jüdische Maler-Professor Michael stand vor mir. […] Er schleppte mich an seine Korbhütte, wo ich nun der Frau Professorin […] vorgestellt wurde.“ (Theodor Fontane: Brief aus Norderney, 12. August 1882).

Aufbau eines Strandkorbs

Ein Strandkorb besteht aus einem zweiteiligen Holzgestell mit Korbgeflecht. Das obere Element bildet eine halbrund gewölbte, überdachte Sitznische, die in verschiedene Liegepositionen nach hinten absenkbar ist. Durch seine Auskleidung mit wetterfestem Stoff schützt er bei Strandaufenthalten vor Wind, Sonne, Regen und Sandflug. Weitere Details, wie ausziehbare Fußkästen, Sonnenmarkise und Klapptischchen bieten dem Nutzer einige Bequemlichkeiten für den Aufenthalt am Strand.

Strandkörbe sind in nahezu allen Urlaubsorten und Seebädern an der Nord- und Ostsee in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Sie können üblicherweise von Frühjahr bis Herbst bei den Strandkorbwärtern gemietet werden. Der Strandkorb gilt als Kultobjekt deutscher Gemütlichkeit, die in gleichbleibendem Erscheinungsbild zwei Weltkriege, soziale und industrielle Revolutionen sowie die Ost-West-Teilung überstanden haben.

Der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann gilt als Strandkorb-Erfinder. Er baute den ersten Strandkorb 1882.

Das Standardmodell eines Strandkorbs ist ein Zweisitzer und hat seine Form und Bauweise seit etwa 1910 nur unwesentlich verändert. Es ist etwa 160 Zentimeter hoch, 120 Zentimeter breit, 70 bis 80 Kilogramm schwer und besteht aus vier Grundelementen: der Bock, der die Basis bildet, ist meist aus Kiefer oder Fichte gefertigt, manchmal auch aus Birkenmultiplex- oder Schichtholzplatten, afrikanischem Iroko oder asiatischem Teak, und gegen Witterungseinflüsse behandelt. Am Bock verschraubt sind die beiden Seitenteile, jeweils außen mit Tragegriffen versehen. Die Haube, wie das in ein Dach übergehende Rückenteil genannt wird, ist in zwei bis drei Metallschlaufen rückwärtig am Bock eingehängt, sie bleibt damit beweglich und kann in vier oder fünf Arretierungen nach hinten verstellt werden. Seitenteile und Haube haben ein hölzernes, mit Flechtwerk ausgefülltes Gestell. 95 Prozent der Strandkörbe sind aus Kunststoffstreifen geflochten; wurde Naturmaterial verwendet, ist dies in der Regel aus Asien importiertes lackiertes Rohrbast aus Bambus oder Rattan. In sehr seltenen Fällen ist ein Korb noch traditionell aus Weide gearbeitet.

Ausgekleidet wird der Allwettersitz mit imprägniertem Markisenstoff oder PVC-Folie, die Sitzfläche ist mit Schaumstoff oder Kokosmatte gefüllt. Zur Ausstattung des Grundmodells gehören ausziehbare und gepolsterte Fußkästen, ein oder zwei an Drahtbügeln aufgehängte Seitentischchen, die in einer ausgefrästen Nut einzurasten sind, Armlehnen und an der Dachkante eine abklappbare Sonnenmarkise. Auch eine quergespannte Schnur im oberen Übergang der Rückenlehne zum Verdeck ist fast allen Modellen zu eigen; sie dient dem Aufhängen von Handtüchern oder Textilien. Das Flechtwerk ist gemeinhin weiß oder naturfarben, verwendet werden aber auch andere, oft sonnige oder leuchtende Farben. Bunter ist die Auskleidung, gestreifte Stoffmuster sind beliebt, ebenso auf saisonale Moden zurückgreifende Designs. Zudem verfügen Mietkörbe über Holzgitter, mit denen die Sitznischen bei Nichtgebrauch verschlossen werden und die es dem Nutzer ermöglichen, seine Sachen bei Abwesenheit oder über Nacht am Strand zu lassen.

Strandkörbe anderer Größen, vom Einsitzer bis Fünfsitzer, und mit zusätzlichen Ausstattungen, wie einem aufklappbaren Sitz und integriertem verschließbarem Fach, Fußrasten mit Stauraum, großen, abnehmbaren Tischen, drehbarem Untergestell mit Kugelkranzlager, eingenähten Seitentaschen, die man auch Lektüretaschen nennt, werden ebenfalls produziert, gehen aber meist auf Sonderbestellungen zurück. Mit der ihnen nachgesagten Mischung aus „Dekadenz und norddeutschem Pragmatismus“ erfreuen sie sich zunehmender Beliebtheit als Garten- oder Terrassenmöbel im Inland, sie sind dann oft mit Rollen und Schutzhüllen ausgestattet. Für diesen Gebrauch und zu einem entsprechenden Preis fertigen die Hersteller auch sogenannte Luxusvarianten mit eingebauter Heizung, Bar, Kühlschrank oder Musikanlage.

Strandkorb – Arten

Unterschieden wird vor allem zwischen einer Ostseeform mit abgerundeten, geschwungenen Seitenteilen und einer gebogenen Haube und einer Nordseeform mit geraden Seiten und kantig wirkendem Oberteil. In der Regel handelt es sich bei beiden Bauweisen um Halblieger, die bis zu einem Winkel von 55 Grad nach hinten verstellt werden können. Nordseekörbe gibt es manchmal auch als Liegermodelle, die sich bis zu 90 Grad absenken lassen. Eine Weiterentwicklung ist der Syltkorb, dessen Haube man über einen mechanisch aufwändigen Federzug stufenlos bewegen kann. Da der Ostseekorb als klassische Form gilt und gefälliger wirkt, ist er weiter verbreitet, doch findet man an den Stränden von Nord- und Ostsee jeweils beide Formen. Seltener und teilweise mit Kultstatus bedacht sind Strandkörbe in der Bauweise der DDR-Produktion. Sie sind nicht geflochten, vielmehr bestehen ihre Hauben aus gebogenem Phenolharz und ihre Seitenteile aus Spanplatten, was ihnen in einem Wortspiel die Bezeichnung Typ Platte einbrachte. Von diesen gelten die durch die PGH Bau in Rehna hergestellten Rehnaer, die vollständig zerlegbar sind, als besonders ausgeklügelt. Aufgrund ihrer Herkunft findet man sie vor allem an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns.

Strandkorb kaufen oder für den Urlaub mieten

Viele Rügenurlauber holen sich für das Urlaubsfeeling „zwischendurch“ den Strandkorb nach Hause in den Garten, auf die Terrasse oder auf den Balkon. Bei einigen Rügener Strandkorbvermietern ist neben der Miete für die Zeit auf Rügen auch ein Strandkorbkauf möglich:

Strandkorb Binz
Inhaber Martin Kruggel
Dollahner Straße 11a
18609 Ostseebad Binz

Telefon 038393/ 32 702
Fax 038393/ 43 67 30
mobil 0172/ 75 14 559

ww.strandkorb-binz.de

Binzer Strandkorbservice Willi Baland

Telefon 0171/ 2627471

Strandkorbservice Glowe

Am Kurplatz
18551 Glowe

Telefon 038302 – 78 012 oder 32 38
Mail: strandkorbdieter@glowe.de

Strandkorb Baabe

zwischen Haupt- und Fischerstrand in Baabe. Mieten können Sie am Zugang zum Hauptstrand oder Telefon 0171 – 69 91 635

Strandkorbvermietung Göhren

Strandkörbe zwischen Abgang 3 und 6
Gerhard Schälke
18586 Göhren

Tel : 0173 – 38 45 938
Fax: 038308 – 66 977

Quellen: www.wikipedia.de